VPD: Das wichtigste
Klimamaß.

Vapour Pressure Deficit ist wichtiger als Luftfeuchtigkeit allein — und kaum jemand versteht wirklich, warum. Dieser Guide erklärt alles von Grund auf.

Grundlagen 12 Min. Lesezeit 10. November 2025

Was ist VPD?

VPD steht für Vapour Pressure Deficit — zu Deutsch: gesättigter Dampfdruck-Defizit. Es beschreibt, wie weit die Luft von der vollständigen Wassersättigung entfernt ist. Anders ausgedrückt: wie stark die Luft «Durst» hat. Je höher der VPD, desto mehr Wasser nimmt die Luft auf — und desto stärker transpirieren die Pflanzen.

Kurz gesagt

VPD kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem einzigen Wert, der direkt beschreibt, wie viel die Pflanze transpiriert. Ein Wert von 1,0–1,5 kPa gilt für die meisten Kulturen in der Blütephase als optimal.

Warum reicht Luftfeuchtigkeit allein nicht?

Eine Luftfeuchtigkeit von 60 % bei 20 °C ist etwas völlig anderes als 60 % bei 28 °C. Bei höherer Temperatur kann Luft wesentlich mehr Wasser aufnehmen — 60 % bei 28 °C bedeutet also einen viel höheren absoluten Feuchtegehalt und damit einen höheren VPD. Wer nur die relative Feuchtigkeit betrachtet, steuert blind.

VPD-Formel (vereinfacht)

// Sättigungsdampfdruck (kPa) nach Tetens-Formel:

SVP = 0.6108 × e^(17.27 × T / (T + 237.3))


// VPD berechnen:

VPD = SVP × (1 - rH / 100)


// T = Temperatur in °C, rH = relative Luftfeuchtigkeit in %

Zielwerte je Wachstumsphase

Jede Wachstumsphase hat andere Anforderungen. Junge Pflanzen brauchen niedrigeren VPD, reife Pflanzen vertragen mehr.

Phase VPD-Zielbereich Temperatur (Luft) Luftfeuchtigkeit
Steckling / Jungpflanze 0,4 – 0,8 kPa 22–25 °C 65–80 %
Vegetative Phase 0,8 – 1,2 kPa 22–26 °C 55–70 %
Frühblüte 1,0 – 1,5 kPa 23–27 °C 50–65 %
Spätblüte 1,2 – 1,8 kPa 22–26 °C 40–55 %

VPD automatisch regeln

Die Herausforderung: Du kannst VPD nicht direkt messen oder steuern. Du steuerst Temperatur und Luftfeuchtigkeit — und der VPD ergibt sich daraus. Das System berechnet den VPD aus den Sensorwerten und entscheidet dann, ob es die Belüftung, den Befeuchter oder die Heizung aktiviert.

Mit Grow Solutions wird VPD als Regelgröße genutzt — nicht Temperatur oder Feuchtigkeit einzeln. Das Ergebnis: stabilere Wachstumsbedingungen, weniger manuelle Eingriffe und nachvollziehbare Protokolle für jede Phase.

Praxistipp

Fang mit dem Temperatur-Zielwert an und pass dann die Feuchtigkeit an, um in den VPD-Zielbereich zu kommen. Denn Temperatur hat den größten Einfluss auf den SVP — und ist in den meisten Anlagen einfacher stabil zu halten.

Häufige Fehler

Zu niedriger VPD

Transpiration zu gering → schlechte Nährstoffaufnahme, erhöhtes Schimmelrisiko durch hohe Feuchtigkeit.

Zu hoher VPD

Zu starke Transpiration → Pflanzen schließen Stomata → Wachstum stoppt, Hitzestress.

VPD nachts gleich

Nachts ist die Temperatur niedriger, also muss die Feuchtigkeit auch anders sein — viele ignorieren das.

Nur eine Messstelle

In großen Räumen gibt es Klimagradienten — mehrere Messpunkte sind entscheidend.

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