Was ist VPD?
VPD steht für Vapour Pressure Deficit — zu Deutsch: gesättigter Dampfdruck-Defizit. Es beschreibt, wie weit die Luft von der vollständigen Wassersättigung entfernt ist. Anders ausgedrückt: wie stark die Luft «Durst» hat. Je höher der VPD, desto mehr Wasser nimmt die Luft auf — und desto stärker transpirieren die Pflanzen.
Kurz gesagt
VPD kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem einzigen Wert, der direkt beschreibt, wie viel die Pflanze transpiriert. Ein Wert von 1,0–1,5 kPa gilt für die meisten Kulturen in der Blütephase als optimal.
Warum reicht Luftfeuchtigkeit allein nicht?
Eine Luftfeuchtigkeit von 60 % bei 20 °C ist etwas völlig anderes als 60 % bei 28 °C. Bei höherer Temperatur kann Luft wesentlich mehr Wasser aufnehmen — 60 % bei 28 °C bedeutet also einen viel höheren absoluten Feuchtegehalt und damit einen höheren VPD. Wer nur die relative Feuchtigkeit betrachtet, steuert blind.
VPD-Formel (vereinfacht)
// Sättigungsdampfdruck (kPa) nach Tetens-Formel:
SVP = 0.6108 × e^(17.27 × T / (T + 237.3))
// VPD berechnen:
VPD = SVP × (1 - rH / 100)
// T = Temperatur in °C, rH = relative Luftfeuchtigkeit in %
Zielwerte je Wachstumsphase
Jede Wachstumsphase hat andere Anforderungen. Junge Pflanzen brauchen niedrigeren VPD, reife Pflanzen vertragen mehr.
| Phase | VPD-Zielbereich | Temperatur (Luft) | Luftfeuchtigkeit |
|---|---|---|---|
| Steckling / Jungpflanze | 0,4 – 0,8 kPa | 22–25 °C | 65–80 % |
| Vegetative Phase | 0,8 – 1,2 kPa | 22–26 °C | 55–70 % |
| Frühblüte | 1,0 – 1,5 kPa | 23–27 °C | 50–65 % |
| Spätblüte | 1,2 – 1,8 kPa | 22–26 °C | 40–55 % |
VPD automatisch regeln
Die Herausforderung: Du kannst VPD nicht direkt messen oder steuern. Du steuerst Temperatur und Luftfeuchtigkeit — und der VPD ergibt sich daraus. Das System berechnet den VPD aus den Sensorwerten und entscheidet dann, ob es die Belüftung, den Befeuchter oder die Heizung aktiviert.
Mit Grow Solutions wird VPD als Regelgröße genutzt — nicht Temperatur oder Feuchtigkeit einzeln. Das Ergebnis: stabilere Wachstumsbedingungen, weniger manuelle Eingriffe und nachvollziehbare Protokolle für jede Phase.
Praxistipp
Fang mit dem Temperatur-Zielwert an und pass dann die Feuchtigkeit an, um in den VPD-Zielbereich zu kommen. Denn Temperatur hat den größten Einfluss auf den SVP — und ist in den meisten Anlagen einfacher stabil zu halten.
Häufige Fehler
Zu niedriger VPD
Transpiration zu gering → schlechte Nährstoffaufnahme, erhöhtes Schimmelrisiko durch hohe Feuchtigkeit.
Zu hoher VPD
Zu starke Transpiration → Pflanzen schließen Stomata → Wachstum stoppt, Hitzestress.
VPD nachts gleich
Nachts ist die Temperatur niedriger, also muss die Feuchtigkeit auch anders sein — viele ignorieren das.
Nur eine Messstelle
In großen Räumen gibt es Klimagradienten — mehrere Messpunkte sind entscheidend.